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Commerzbank – geschenktes Geld

Eine einfache Beschreibung des Ziels beim Value Investing ist es, eine Aktie im Wert von einem Dollar zu kaufen, aber nur 50 Cents dafür zu bezahlen. Die Herausforderung besteht dabei in der Regel darin, festzustellen, ob man für seine 50 Cents wirklich einen Dollar bekommt.

Dieser Frage wollen wir uns hier einmal für die Commerzbank widmen.

KBV – Der Buchwert als Indikator

Bei einem ersten Blick in die Bilanz findet ein ausgewiesenes Eigenkapital in Höhe von 29,4 Mrd. EUR, bei einer Bilanzsumme von 503 Mrd. EUR (Zahlen Q1 2019). Das ist natürlich eine ziemlich geringe Eigenkapitalquote, allerdings ist das für Banken durchweg üblich.

Der Aktienkurs der Commerzbank liegt gegenwärtig bei rund 5.80 EUR, bei 1.25 Mrd. Aktien beträgt der Marktpreis der Eigenkapitals also bei 7,3 Mrd. EUR.

Bei der Commerzbank zahlt man für einen Euro also zur Zeit nur 25 Cents.

Deutsche Bank Merger und der “Bad Will”

Jetzt kann man sich natürlich fragen: Ist der Buchwert denn eigentlich werthaltig? Da hilft uns der fehlgeschlagene Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Denn die Regeln für derartige Zusammenschlüsse besagen, dass sämtliche Assets der übernommenen Gesellschaft einer Marktgerechtigkeitsprüfung unterzogen werden müssen.

Im Rahmen der fehlgeschlagenen Übernahme hat die Deutsche Bank bei der Bafin schon mal prüfen lassen, ob sie die Buchwerte so übernehmen könne, und – so schrieb seinerzeit die FAZ – die Deutsche Bank hätte die Buchwerte wohl im Wesentlichen so übernehmen können, lediglich in den italienischen Staatsanleihen hätten im Wert um ca. 2,5 Mrd. EUR korrigiert werden müssen.

Das heißt im Ergebnis:

  • Welche Bank auch immer sich die Commerzbank einverleibt, bezogen auf den Buchwert macht diese Bank einen steuerfreien Gewinn (Bad Will) in Höhe von ca. 20 Mrd. EUR
  • der Buchwert einer Aktie der Commerzbank liegt bei ca. 21,50 EUR

Keine Fusionspartner in Sicht??

Angeblich, so liest man allerorten in der Presse, gibt es keine Interessenten für die Commerzbank. Dagegen sprechen allerdings eine ganze Reihe von Umständen:

  • Das Bankgeschäft besteht im Kern in der Risikodiversifikation. Für ausländische Banken bietet die Commerzbank die Möglichkeit, ihre Risiken weiter zu verteilen
  • Skaleneffekte. Viele Teile des Bankgeschäfts sind skalierbar, durch die Vergrößerung des Geschäftsumfangs können Skaleneffekte gehoben werden.
  • Eigenkapitalanforderungen. Wie oben beschrieben, geht mit der Übernahme ein steuerfreier Gewinn in Höhe von bis zu 20 Mrd. EUR einher. Dieser zusätzliche Gewinn hilft der übernehmenden Bank, ihre Eigenkapitalanforderungen besser zu erfülen.

Es gibt so wesentliche Argumente für eine Übernahme der Commerzbank, dass ich es für sicher halte, dass diese Übernahme kommen wird; wenn nicht in 2019, dann doch spätestens in 2020 oder 2021.

Und wenn doch nicht?

Wenn es doch nicht zu einer Übernahme der Commerzbank kommt, dann kommen die eigenen Geschäftszahlen zum tragen, und die können auch sehen lassen: für die kommenden Jahre gehen die Analysten von weiter steigenden Gewinnen aus:

Quelle: Überblick Analysteneinschätzungen 26.07.2019

Um den Abschlag auf den Buchwert zu rechtfertigen, müsste man davon ausgehen, dass die Commerzbank in den nächsten Jahren über 22 Mio. EUR verliert. Tatsächlich sagt selbst der miesepetrigste Analyst der Commerzbank einen Gewinn von über 10% im nächsten Kalenderjahr voraus.auch damit kann man ganz gut leben.

Und was ist die Commerzbank nun wert?

Ich gehe davon aus, dass die Commerzbank in den nächsten zwei Jahren gekauft wird. Und wenn das geschieht, wird der Käufer einen Teil seines steuerfreien Gewinn an die Alteigentümer abtreten müssen. Realististisch schätze ich, dass die Commerzbank zwischen 9,50 EUR und 11,00 EUR über den Tisch gehen wird.

Bezogen auf den gegenwärtigen Kurs würde dies ein Kursplus von 60% bis 90% darstellen. Darauf lohnt es sich zu warten. Meiner Meinung nach zumindest.

Was meint ihr?

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