AllgemeinKonzepte

FOMO – Opportunitätskosten fallen nur im Kopf an.

Diesen Beitrag schreibe ich nach einem äußerst erfolgreichen Börsentag. Mein CFD-Portfolio notiert mehr als 10% höher als zur gleichen Zeit am gestrigen Tag. Aber dennoch nagt da eine gewisse Unzufriedenheit an mir, auf die ich hier kurz eingehen möchte.

So hatte ich nach der EZB-Sitzung in EURJPY zum Kurs von 118,12 investiert. Diese Position habe ich später zum Kurs von 118,42 wieder aufgelöst und dabei einen netten kleinen Gewinn mitgenommen. Im Laufe des Nachmittags stieg der Kurs jedoch weiter auf weit über 119. Als ich das sah, hatte ich dann nicht mehr das Gefühl, 30BP gewonnen zu haben, sondern es stellte sich eher das Gefühl ein, 60BP liegen gelassen zu haben.

Tatsächlich hatte ich zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht das Gefühl, dass der Kurs kurzfristig weitersteigen würde, auch wenn ich prinzipiell einen höheren Kurs für fundamental gerechtfertigt halte. Daher war es subjektiv die richtige Entscheidung, zu verkaufen. Wenn man nicht sicher ist, was passiert, dann sollte man sich nicht positionieren, oder profaner ausgedrückt:

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.

Dieter Nuhr, (immer mal wieder)

Kognitive Verzerrungen: “Hindsight” und Verlustaversion

Fakt ist doch, dass sich jeden Tag zigtausende von Aktien, Währungspaaren, Commodities oder sonstige Anlageprodukte in jede Richtung bewegen, und es wird immer wieder eine oder andere Bewegung geben, die man genauso vermutet hat, aber die Vermutung als nicht sicher genug für eine Investition angesehen hat. Was man aber weitaus weniger bewusst wahrnimmt, sind die Vermutungen, die sich nicht so eingestellt haben wie vorhergesehen.

Das hat etwas mit der menschlichen Psyche zu tun: Verluste werden sehr viel stärker wahrgenommen als Gewinne, und da ausgelassene Chancen psychologisch wie Verluste wirken, bleiben diese stärker im Gedächnis als ausgelassene Verluste (die wie Gewinne wirken). Dieser Effekt wird durch den “Hindsight Bias” (“Rückschaufehler”) noch verstärkt – in Nachhinein wirken Ereignisse immer besser erklärlich und verdrängen in der Erinnerung nicht eingetretene Ex-Ante-Annahmen.

FOMO führt zu erhöhter Risikobereitschaft

Zusätzlich zur stärkeren Wahrnehmung der ausgelassenen Chancen mag es nun zusätzlich auch wirklich richtig sein, dass man tatsächlich häufiger richtig tippt als falsch. Hierdurch kann es zu einer falschen Selbstversicherung kommen, so dass man seine eigene Vorhersagekraft überschätzt und die Risiken in den Hintergrund treten.

Um sich künftig Chancen seltener entgehen zu lassen (FOMO – fear of missing out), kann es nun dazu kommen, dass man in falscher Sicherheit weitere Positionen eingeht, bei denen der Ausgang weniger gut prognostizierbar ist. Dadurch erleidet man am Ende eine höhere Anzahl von Verlusten, was dann die Gesamtperformance deutlich schmälern kann. Dies gilt insbesondere im Fall des Hebelhandels, also des Handelns mit Fremdkapital.

Bessere Rückschau durch Notizen

Um diesem Fehler der falschen Selbstbestätigung zu entgehen, hilft es, sich im Moment der Entscheidung Notizen zu machen:

  • Welche Gründe haben dazu geführt, dass ich diese Aktie gekauft habe? Welche risiken könnten eintreten? Wie ist der vermutete Kursverlauf?
  • Welche Gründe habe ich, dass ich in eine Aktie nicht investiert habe, obwohl ich sie für Aussichtsreich halte? Welche Risiken, welche möglichen Kursverläufe sehe ich?

Wenn man sich dann später die realisierten Kursverläufe anschaut, helfen diese Aufzeichnungen, den Hindsight Bias zu reduzieren und die entgangenen chancen zu relativieren.

Am Ende geht schließlich nicht darum, bei jeder Roulettedrehung auf die richtige Zahl zu setzen – es ist völlig ausreichend, wenn die Zahlen, auf die man am Ende des Tages gesetzt hat, auch wirklich kommen.

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