AllgemeinKonzepte

Der Sparer zahlt die Zeche – und das ist gut so!

In der deutschen Presse wird seit Jahren bejammert, dass der Sparer durch das “unverantwortliche” Handeln der EZB immer mehr ausgepresst wird, dass er die Zeche zu zahlen hat für die viel zu hohen Risiken der Bankenwelt und der Politik. Ich bin der Meinung: Das stimmt. Und das muss auch so sein, denn Sparen im deutschen Sinne ist die Verweigerung gesellschaftlicher Verantwortung.

Für den ungeduldigen Leser

In Kürze die wesentliche Argumente in Stichpunkten:

  • Sparer sind nicht bereit, Risiken zu übernehmen. Das unterscheidet sie von Investoren.
  • Damit Sparguthaben wirtschaftlich nutzbar werden, muss jemand anderes ins Risiko gehen. In der Vergangenheit waren das in der Regel Banken.
  • In Zuge der Bankenregulierung hat man sich darauf geeinigt, dass die Banken diese Risiken nur noch zu einem gewissen Teil übernehmen sollen.
  • Dies führt unweigerlich zu einer Kreditklemme durch Banken und damit zum Abwürgen des wirtschaftlichen Wachstums. Einziger unbegrenzter Kreditnehmer ist weiterhin der Staat.
  • Es gibt verschiedene Wege, diese Situation aufzulösen:
    1. Die Sparer sind bereit, die Risiken selbst zu übernehmen und von Sparern zu Investoren zu werden.
    2. Der Staat senkt die wirtschaftlichen Risiken der Kreditnehmer durch erhöhten Umsatz, sei es entweder durch staatliche Investitionen oder durch staatlichen Konsum (Sozialprogramme). Die Staatsveschuldung steigt, und die Wirtschaft wird gelenkt (ineffizient).
    3. Die Zentralbank senkt die wirtschaftlichen Risiken der Kreditnehmer durch Zinssenkungen, bis in den negativen Bereich.
    4. Die Zentralbank lindert den Druck auf die Risikobilanz der Banken, indem sie selbst Risiken übernimmt und damit die Geldmenge ausweitet (Quantitative Easing).
  • Die Ausweitung der Staatsschulden ist eine zeitlich begrenzte Option. Die Ausweitung der Geldmenge führt zwangsläufig zur Inflation und damit zu negativen Realzinsen.
  • Der Sparer hat es selbst in der Hand: entweder er wird selbst Investor und führt damit sein Geld einer wirtschaftlichen Nutzung zu, oder er zahlt den Preis für die Risiken, die mit seinem Geld eingegangen werden müssen, damit die Wirtschaft floriert.
  • Am Ende kann nur derjenige das Risiko bewältigen, der das Vermögen hat. Und das ist es auch was das Grundgesetz meint, wenn es sagt: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. 

Sparen – was ist das eigentlich?

Vielleicht müssen wir uns zunächst einmal über den Begriff des “Sparens” verständigen, denn das, was der deutsche unter diesem Begriff versteht, ist eine ganz besondere Art der Geld”nutzung”. Prinzipiell kann man Geld auf zwei verschiedene Wege nutzen: man kann es konsumieren oder investieren. Wenn ich mein Geld konsumiere, dann gebe ich es aus für Güter oder Dienstleistungen, die mir Nutzen stiften. Das kann ein Fernseher sein, ein Brot, ein Konzertticket, Kaffee im Cafe – Dinge, die für mich das Leben lebenswerter (oder überhaut erlebbar) machen. wenn ich mein Geld investiere, dann gebe ich mein aus für die Erschaffung dieser Dinge, die das Leben lebenswerter oder überhaupt erlebbar machen. Das kann die Anschaffung einer Maschine sein, die Finanzierung medizinischer Forschung, … you get the point.

Was konsumieren und investieren gemeinsam haben: in beiden Fällen gebe ich das Geld jemand anderem für die Leistung, die er erbracht hat (don’t you gender me!). Der Sparer hingegen behält sein Geld, er hortet es für einen späteren Konsum oder eine spätere Investition. Er tut nichts mit seinem Geld – und aus irgendwelchen Gründen hat er den Anspruch entwickelt, dass er für sein Nichtstun entlohnt wird. Und darüber müssen uns mal unterhalten.

Zinsen – was ist das eigentlich?

Der deutsche Sparer war es gewohnt, dass er sein Geld zur Bank trägt und dort aufbewahren lässt, und dafür wurde er belohnt. Er musste sich keine Sorgen um die Sicherheit seines Geldes machen, sondern einfach nur lange genug warten, und dann vervielfältigte sich sein Geld im Schlaf.

Wo die Zinsen herkamen, darüber machte er sich keine Gedanken – das sollte er aber. Denn wie überall in der Welt gilt auch in der Finanzwelt, dass man nur für etwas zu bezahlen bereit ist, was man wirklich braucht (oder eher “braucht”, wenn wir an die Konzerttickets zurückdenken). Und so ist nur jemand bereit, Zinsen zu zahlen, der fremder Leute Geld benutzen will – zur Investition oder zum Konsum (Konzerttickets, ihr wisst schon…)

In der alten Welt sind die Unternehmer oder Konsumenten zu ihrer Hausbank gegangen und haben dort ihre Kreditwünsche vorgetragen, und die Bank hat dann das Geld der Sparer an die Investoren und Konsumenten gegeben, diese haben dafür Zinsen gezahlt, und die Zinsen sind an die Sparer weitergeflossen – nach Abzug der Kosten.

In der alten Welt waren die Bank ein im Prinzip unbegrenzter Marktplatz mit Kreditvermittlungs- und Risikofilterfunktion. Doch die Funktion der Banken wurde in den vergangenen 20 Jahren drastisch verändert, und die wirkt sich auch auf die Sparmöglichkeit aus.

Bankenregulierung und Finanzkrise bringen Sparer in Bedrängnis.

In der Vergangenheit gab es imer wieder Finanzmarktkrisen, sei es die Japankrise, die Russlandkrise, die Asienkrise – alles Finanzmarktkrise, in denen Banken zu hohe Risiken eingesammelt hatten, die sie nicht mehr bewältigen konnten. Im Lichte all dieser globelen Krisen haben die Aufsichtbehörden festgelegt, dass Banken nur noch in einem beschränkten Rahmen Risiken übernehmen dürfen, im Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Eigenkapital.

Für die Sparer hatte das enorme Auswirkungen: Während in der Vergangenheit das Kredtitvolumen mit den akquirierten Einlagen stieg, kann die Bank nun mit höheren Einlagen gar nichts mehr anfangen. Es gab nun einen Einlageüberschuss, der Einlagezins fiel damit unter den Marktzins.

Auf der anderen Seite entstand eine Kreditklemme, da das Eigenkapital der Banken nicht hoch genug war, um die Risikodeckung für alle Kreditanfragen zu bedienen, insbesondere nach 2008. Um dieser entgegen zu wirken, wurden die Zinsen gesenkt, so dass die unternehmerischen Risiken sanken (wer weniger Zinsen zahlen muss, bleibt kann auch mal eine Krise finanziell überstehen). Das wirkte sich ebenfalls auf den Einlagezins aus, der hier natürlich mitsank.

Als weitere Maßnahme wurden zusätzlich die Geldschleusen geöffnet und staatliche Ausgabenprogramme aufgelegt, die die Geldmenge deutlich erhöhten und den Geldwert deutlich senkten. Der Sparer erhielt also nicht nur weniger Zinsen, gleichzeitig wurde sein Geld auch weniger wert.

Vom Sparer zum Konsumvestor in der Immobilienblase

Um diesem schleichenden Kapitalverzehr zu entgehen, wurden viele Sparer zunächst zu “Konsumvestoren” – sie investierten in ihren zukünftigen Konsum. Dies geschah vor allem am Immobilienmarkt. Dabei profitierten sie auch hier von staatlichen Maßnahmen zur Risikoreduktion:

  • durch das Erneuerbare Energien-Gesetz wurde Einkommen von Mietern zu Hauseigentümern umverteilt (Umlage der Solarstromzuschüsse auf alle Stromnutzer)
  • durch Abschaffung der Wehrpflicht und Einführung des G8 wurde Anfang der 2010er Jahre die Nachfrage nach städtischem Wohnraum befördert (wenn drei Jahrgänge auf einmal nach Wohnungen suchen, wird die Nachfrage schon mal knapp)
  • durch die freundliche Aufnahmebereitschaft wurde weitere Nachfrage nach Wohnraum geschaffen
  • durch weitere staatliche/steuerliche Fördermaßnahmen wie Wohnriester oder Bau-Kindergeld oder Elterngeld werden die finanziellen Risiken der Immobilien-investition weiter auf die Gesellschaft übertragen.
  • durch staatliche Bauvorgaben wird dabei für den stabilen Nachfragedruck und damit die Wertstabilität der Besicherungsobjekte gesorgt.

Diese Form der Investition in den eigenen zukünftigen Konsum ist natürlich im Volumen begrenzt und birgt zudem deutliche Risiken. Denn sowie die politischen Maßnahmen zu immer steigenden Mieten und Immobilienwerten geführt haben, so können in Zukunft politische Maßnahmen auch wieder das Gegenteil bewirken. Durch nachlassenden Nachfragedruck und damit fallende Immobilienpreise stünde die Refinanzierbarkeit von Hauskrediten oftmals infrage.

Vor allem aber wird das gesellschaftliche Problem der fehlenden Investitionen und der negativen Zinsen nicht durch den Immobilienmarkt gelöst; die gesamte Sparsumme übersteigt die Investitionen in Immobilien um ein Vielfaches. Für den Großteil der Sparanlagen bleibt das Problem der negativen Realzinsen weiter bestehen.

Umdenken als Ausweg: Investieren statt Sparen!

Prinzipiell muss man sich natürlich die Frage stellen, ob es moralisch nicht gerechtfertigt ist, das gerade die Sparer leiden. Denn letzten Endes braucht die Wirtschaft Risikokapital. Produkte müssen entwickelt werden, Fertigungsstrassen müssen eingerichtet werden, Rohstoffe müssen beschafft werden. Und ob sich die Investition lohnt, lässt sich vorher nicht genau bestimmen.

Sparer weigern sich jedoch, ihr Vermögen in den Wirtschaftskreis durch Konsum oder Investition zurückzugeben. Damit blockieren sie den Wirtschaftskreislauf und halten die Grundlage für zukünftige Innovationen zurück. Schon das Grundgesetz sagt dazu:

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Art. 14 Abs. 2 Grundgesetz

Und dies kann in genau diesem Sinne interpretiert werden. Konsum und Investitionen zwei Formen des Geldeinsatzes, die die Gesellschaft fördern, die Arbeit und Leistung honorieren und fortschritt ermöglichen. Das blosse Horten von Geld hat keinen gesellschaftlichen Nutzen.

Fakt ist: Die Gesellschaft braucht diese Investitionen, braucht diese Erneuerung, den Fortschritt. Darum wird es auch auf jeden Fall zu diesen Investitionen kommen, entweder durch Privatleute, durch den Staat oder durch die Zentralbank. Fakt ist auch, das die Kosten von Fehlinvestitionen, sofern sie nicht von privaten Investoren getragen werden, auf die Allgemeinheit übertragen werden, entweder durch Steuern, Geldentwertung oder negative Zinsen.

Für den Sparer stellt sich daher eigentlich nur die Frage: Will ich selber mein Geld investieren und selbst über mein Risiko entscheiden, oder will ich mein Geld “sicher”anlegen und eine Gebühr dafür zu zahlen, dass andere die gesellschaftlich notwendigen Investionsrisiken übernehmen?

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