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wirecard – Was hat das zu bedeuten?

In den vergangenen Tagen hat es verschiedene Nachrichten zum Zahlungsdienstanbieter wirecard gegeben. Diese wollen wir hier einordnen.

Blackrock schichtet um.

Eine der Nachrichten war es, dass der Vermögensverwalter Blackrock große Teile seiner Aktien an wirecard verkauft hat. Gleichzeitig wurden aber ebensoviele Calls gekauft. Was bedeuten diese beiden Transaktionen nun in Summe?

Für die Einschätzung bzgl. der Chancen der Wirecard-Aktie bedeutet dies, dass Blackrock unvermindert an das Unternehmen glaubt. Die Transaktion verändert nicht das Exposure von Blackrock bei steigenden Kursen.

Allerdings verändert sich das Exposure bei fallenden Kursen. Für den Fall, dass Blackrock Plain Vanilla Calls gekauft hat, kann die Transaktion insgesamt mit dem Kauf von Puts zur Absicherung verglichen werden, allerdings mit Steuervorteilen (Realisierung von Verlusten) und Liquiditätsvorteilen. In diesem Falle würde Blackrock also eine Versicherung kaufen, weil man kurzfristig von wachsenden Risiken ausgeht. Die Frage ist hier dann jedoch, ob es aus Blackrocks Sicht dann nicht sinnvoller wäre, generell die Position zu verringern.

Wahrscheinlicher scheint mir daher das Szenario, dass Blackrock diese Repositionierung durchgeführt hat, um generell Liquidität freizusetzen. Die Optionen werden also vermutlich so gewählt worden sein, dass sie kosteneffizient sind, also entweder deep in the money oder aber mit Features wie Knockouts oder ähnlichem. In diesem Falle wäre davon auszugehen, dass Blackrock zum einen eine positive Sicht aus den Gesamtmarkt hat und zusätzliche Liquidität freisetzen möchte, um hier in Chancen zu investieren, und zum anderen davon ausgeht, dass die Volatilität (oder zumindest die Downside Risks) bei wirecard zurückgehen.

Also je nach Sichtweise ist dies eine gute oder schlechte Nachricht: Wer der Meinung ist, dass das der weltgrößte Vermögensverwalter hier für die Hälfte seiner Wirecard bestände eine sehr teure Versicherung abgeschlossen hat, der sollte überlegen, ob er sich nicht aus diesem Wert zurückzieht, alle anderen können diese Aktion von Wirecard als positives Zeichen lesen.

Markus Braun sagt Auftritt beim Fintech Festival Singapur ab

Bei twitter habe ich heute gelesen, dass der abgesagte Auftritt bei einem Fintech Event am anderen Ende der Welt als schlechtes Zeichen gewertet werden soll. Dazu kann ich nur sagen: Wenn das ein schlechtes Zeichen sein sollte, dann gibt es offensichtlich zur Zeit zu wenoige echte Nachrichten.

Warum sollte das ein schlechtes Zeichen sein? Denken wir ein paar Varianten durch:

  • Markus Braun traut sich nicht nach Singapur zu reisen, weil er nicht verhaftet werden möchte. Die Untersuchung in Singapur läuft schon seit der ersten Veröffentlichung der Financial Times. wenn er hier etwas befürchten würde, dann hätte dieses Event vermutlich schon vor einiger Zeit abgesagt.
  • Markus hat ein schlechtes Gewissen und will ambitionierten Gründern nichts vormachen. Ganz ehrlich – wenn wirecard seit Jahren wissentlich betrogen hätte, dann würde MB die Maske garantiert nicht wegen ein paar asiatischen Studenten fallen lassen. Gerade auch die ersten Auftritte nach dem ersten FT Angriff lassen vermuten, dass er dann gerade jetzt erst recht dorthin fahren würde, um “den Schein zu waren”

Es wird wohl einfach so sein, dass er in München bleibt, um die Sonderuntersuchung und das operative Geschäft nach Kräften nach vorne zu bringen und einen baldestmöglichen Abschluss der Sonderuntersuchung zu forcieren.

Aus dieser Meldung ist also offensichtlich gar kein Indiz abzuleiten, außer dass es für MB offenbar andere Prioritäten gibt, als Studenten in Singapur zum Gründen zu animieren.

Weitere News: Rauschen im Walde

Mehr berichtenswertes scheint es zur Zeit nicht zu geben (von dem neuen Onlinekonto mal abgesehen). The Motley Fool hat sich ausgiebig darüber ausgelassen, ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. Ich finde, dass ist ganz eindeutig ein gutes Zeichen, denn: Wenn FT noch was im Köcher hätte, dann würden sie bestimmt nicht darauf warten, dass es von KPMG zuerst gefunden wird.

Denn eines ist ganz klar: Wenn KPMG die Buchführung der wirecard abgesegnet – und davon ist erstmal auszugehen -, dann haben 2 der Big Four Prüfungsgesellschaften ihr OK für die wirecard-Bücher gegeben. Dagegen anzuschreiben, ist dann aussichtslos und wird eher den Ruf der FT als den Ruf von wirecard beeinträchtigen.

Fazit

Die Nachrichtenlage ist dünn, was für die Investoren unangenehm, aber nunmal der Situation geschuldet ist, dass hier eine intensive Prüfung vorgenommen wird. Die Nachprüfung von E&Y hat ungefähr 2 Monate gedauert, die Prüfung von KPMG wird wohl ebenfalls geraume Zeit dauern, wenn die entsprechenden Mitarbeiter nun wohl auch schon eine gewisse Routine an den Tag legen können sollten, was das Heraussuchen der relevanten Dokumente betrifft. Daher wird hier wohl ein kürzerer Zeitraum ausreichen.

Ich bleibe weiter optimistisch und halte die wirecard Aktie weiterhin für eine der wirklich großen Chancen am deutschen Kapitalmarkt.

Nebenbei: Es geht hier steht ausschließlich um Berichte aus den Jahren 2016/17, für aktuellere Jahre gibt es keine Vorwürfe. wenn man “Schaden” verursachen wollte, dann würde man doch das aktuelle Accounting angreifen, wenn man könnte, richtig? Es scheint also, das diese Probleme in der Vergangenheit liegen und höchstens zu einer Geldstrafe führen dürften, aber das aktuelle Geschäft nicht beeinträchtigen.

Disclaimer
Diese Ausarbeitung stellt lediglich einen Diskussionsbeitrag dar und ist keine Aufforderung und kein Angebot zum Erwerb von Wertpapieren. Die dargestellten Informationen sollen dazu dienen, selbstständige Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in der Regel entsprechend seiner Meinung investiert. Die Quellen sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung online verfügbar gewesen, für die dauerhafte Verfügbarkeit kann keine Gewähr übernommen werden, insbesondere nicht bei externen Quellen.

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