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Vermögenssteuer: Bewertungsansätze

Eines der am häufigsten angeführten Argumente gegen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer ist die Komplexität der Umsetzung, oder genauer: der Bewertung. Dieser Kurzaufsatz soll hierfür einen Lösungsvorschlag unterbreiten.

Für den schnellen Leser:
Grundsätze zur Erfassung der Vermögenssteuer

  • Grundsätzlich gilt die Bewertung zum Fair Value, das heißt:
    • Marktpreise, wo verfügbar
    • fortgeschriebene Anschaffungskosten unter Berücksichtigung von Abschreibungen
  • Neubewertung in Sondersituationen
    • Sonderabschreibungen im Schadensfall (mit Wertgutachten)
    • Sonderzuschreibungen im Falle verbindlicher, öffentlicher Angebote
  • Ausschließlich Ansetzung von dauerhaften Wertgegenständen
    • Immobilien
    • Kfz, Boote, …
    • Kunst und Kunsthandwerk
    • Edelmetall und -steine
    • Anlagedepots, Konten und Bargeld
  • Freibeträge: 100.000 pro Person, automatische Inflation

Wie mit Vermeidungstatbeständen umgegangen werden kann, wird im entsprechenden Abschnitt besprochen.

Was zählt zum Vermögen?

Die erste entscheidende Frage bei der Bewertung von Vermögen ist mit Sicherheit: Was zählt eigentlich zum Vermögen? Um hier von übermäßiger Bürokratie abzusehen, soll von einer Bewertung kurzfristiger Wirtschaftsgüter abgesehen werden. Das heißt alle Güter des täglichen Ver- und Gebrauchs werden nicht als Vermögen betrachet. Eine Ausnahme stellen hierbei Fahrzeuge und Kunsthandwerksobjekte dar.

Als Vermögensgegenstände werden ausschließlich Objekte angesehen, bei denen ein gewisser Werterhalt unterstellt werden kann. Die gilt für Fahrzeuge (zumindest für einen gewissen Zeitraum), für Immobilien und natürlich Finanzprodukte aller Art.

Eine weitere Kategorie von Gegenständen, bei denen Werterhalt unterstellt werden muss, sind Kunstobjekte und Gegenstände aus dem Kunsthandwerk.So kann man davon ausgehen, dass ein handgefertigter, individuell gestalteter Tisch einen Werterhalt besitzt, ein Stück Presspappe vom Schweden eher nicht. Wie trifft man nun die Unterscheidung, ob ein Objekt zum Kunsthandwerk zählt? Hier gilt prinzipiell die Annahme, dass alle Objekte aus Einzel- oder Kleinserienfertigung Kunstgegenstände sind, alle andere Gegenstände sind Ver- und Gebrauchsgüter.

Wie wird bewertet?

Grundsätzlich gilt hier, dass Vermögensgegenstände mit ihrem jeweils aktuellen Wert berücksichtigt werden sollen. Allerdings würde es einen enormen Aufwand darstellen, jeden Vermögensgegenstand auf jährlicher Basis individuell zu bewerten. Daher schlagen wir hier verschiedene Vereinfachungen der Bewertung vor, die sich prinzipiell zu Gunsten der Vermögenden auswirken.

Bewertung “at market” oder “at cost”?

Prinzipiell gilt, dass ein Vermögensgegenstand so wertvoll ist wie die Menge Bargeld, die man für ihn bei einem Verkauf erhielte. Daher ist eine Marktbewertung einer Bewertng zu Anschaffungskosten vorzuziehen. Dieser Bewertungsansatz ist für Finanzprodukte mit einer Börsenbewertung einfach, für andere Wertgegenstände schwieriger.

Daher werden Immobilien, Fahrzeuge, Kunstgegenstände und Edelsteine zunächst zu Anschaffungskosten bewertet. Da Wertanpassungen in der Regel nicht an einem offenen Markt nachvollzogen werden können, werden heir spezielle Regeln zu Abschreibungen und Zuschreibungen übernommen bzw. eingeführt.

Abschreibungsregeln

Standardmässig werden hier die typischen Abschreibungsregeln wie in der Wirtschaft üblich übernommen: Autos werden beispielsweise über 5 Jahre abgeschrieben, Immobilien über 50 Jahre. Kunstgegenstände können gar nicht abgeschrieben werden, sie erhalten iohren Wert bis zum Verkauf. Sollte ein Vermögensgegenstand innerhalb dieses Zeitraumes verkauft werden, so bleibt die Restlaufzeit erhalten oder wird auf 40% der ursprünglichen Laufzeit angehoben (also 20 Jahre bei Immobilien, 2 Jahre bei Autos).

Beispiel: Wer ein 15 Jahre altes Haus kauft, der schreibt den Kaufpreis uber 35 Jahre ab, wer ein 9 Jahre altes Auto kauft, der schreibt den Kaufpreis über 2 Jahre ab.

Eine Ausnahme stellen Sonderabschreibungen dar: Sollte ein Gegenstand Schaden nehmen und seinen Wert verlieren, so kann ein Wertgutachten von einem amtlich beglaubigten Gutachter angefordert werden, der den neuen Verkehrswert des Gegenstandes feststellt.

Zuschreibungsregeln

Natürlich kann ein Gegenstand auch mehr wert werden. Dies gilt insbesondere für Immobilien, die ja auch nach 50 Jahren oftmals noch einen Wert darstellen. Um hier einer allgemeinen Not-wendigkeit zur Neubewertung vorzubeugen, wird für die Zuschreibung von Wert die folgende Regel eingeführt:

  • In den Finanzämtern wird ein Register der Vermögensgegenstände geführt.
  • Interessenten können hier verbindliche Angebote für einzelne Gegenstände abgeben.
  • Die Eigentümer werden über das verbindliche Angebote informiert und können sich entscheiden, ob sie es annehmen wollen oder nicht.
  • Sollten sie das Angebot ablehnen, obwohl es den gegenwärtigen Wert um 25% übersteigt, wird der Wert neu auf 80% des Angebotspreises festgelegt.

Beispiel: Ein Haus wurde 1983 für (umgerechnet) 300.000 EUR gebaut. Nach 36 Jahren sind 72% des Preises abgeschrieben, das Haus wird 84.000 EUR bewertet und versteuert. Nun bietet jemand 250.000 EUR für das Haus.

  • Nimmt der bisherige Besitzer das Angebot an, wird das Haus neu mit 250.000 EUR bewertet und von neuen Besitzer über 20 Jahre abgeschrieben.
  • Schlägt der bisherige Besitzer das Angebot aus, wird das Haus neu mit 200.000 EUR bewertet und von bisherigen Besitzer ebenfalls über 20 Jahre abgeschrieben.

Vermeidungstatbestände und Anonymität: Bewertung von Bargeld

Die zweite Frage – nachdem Bewertungsaufwand – ist die Frage der Vollständigkeit der Erfassung. Diese Frage stellt sich am stärksten beim Umgang mit Bargeld, da dies Im Kern auch Privatheitsfragestellungen betrifft. Hierfür gibt es verschiedene Lösungsansätze.

Geldkarten

Ein Hilfsmittel, dass weitgehende Anonymität einer Transaktion gewähren kann, sind Geldkarten. Statt einer Transaktion von einem Konto zum anderen kann diese Transaktion mittels einer Geldkarte anonymisiert werden. So wird zwar das Laden einer Geldkarte erfasst, das Abbuchen kann jedoch anonymisiert werden, es wird auf dem Empfängerkonto lediglich ein Zahlungseingang von unbekannt registriert.

Die Kapazität der einzelnen Geldkarte kann beschränkt werden, so dass das jederzeitige Barvermögen auf Geldkarten beschränkt ist. So kann man die erste Geldkarte pro Person von der Vermögenssteuer ausnehmen, für die weiteren Geldkarten wäre das Vermögenssteuer in Höhe des Kartenlimits zu zahlen.

Bonpflicht

Für klassisches Bargeld wird angenommen, dass es sich in Besitz des Geldabhebers besitzt, solange er nicht nachweist, dass er es ausgegeben hat. Dies kann mithilfe eines Kassenbons per App geschehen.

Für bonfreie (und damit unkomplizierte und anonyme Bezahlungen) können Geldkarten genutzt werden, für Menschen, die gern “haptisch” Geld ausgeben, stellen Bons ein kleines Übel dar.

…und wer keinen Bon hat, weil er ständig Geld verliert, der sollte schon aus Kostengründen überlegen, ob er nicht auf Bargeld verzichten möchte.

Altes Geld im Schließfach

Bleibt die Frage, wie mit physischem Bargeld umgegangen werden soll, dass schon heute undeklariert in Schließfächern liegt. Hier ist die Antwort relativ einfach: Es werden neue Geldscheine eingeführt, die mit der oben beschriebenen Bonpflicht ausgegeben werden. Die alten Geldscheine müssen vom Handel nach einem Jahr nciht mehr angenommen werden und werten pro Jahr gemäß der Vermögenssteuer ab.

Andere Vermeidungstaten

Ich bin überzeugt, dass es hunderte von Möglichkeiten gibt, Geld und Wertgegenstände zu schmuggeln, zu verstecken, und somit Steuern zu hinterziehen. Erfahrungsgemäß werden Gegner der Vermögenssteuer an dieser Stelle der Diskussion immer besonders kreativ.

Dazu kann ich nur sagen: Kriminelle gab immer und wird’s immer geben, wenn du auch einer sein willst, dann bitte! Und es wird auf der anderen Seite auch immer Polizei und Zoll geben, die versuchen, diese Straftäter zu erwischen.

Letztenendes begibt man sich sich mit derartigen Steuervermeidungstaten auch in große Risiken, denn nicht deklarierter Besitz ist auch nicht geschützt. Wer sein Geld in Krypto- oder Fremdwährungen anlegen möchte, der ist Wechselkursschwankungen, Bankgebühren und ggf. Totalverlustrisiken ausgesetzt, und wer ein paar mal zu oft mit seinen versteckten Goldschätzen geprahlt hat, der hat neben dem illegalen Gold besser auch gleich eine illegale Handfeuerwaffe im Tresor…

Am Ende…

…glaube ich aber, dass die meisten Menschen die beschriebenen Regeln als gerecht und einfach genug empfinden, um sich hier nicht in die Illegalität zu begeben. Ich gehe hier von einem Steuersatz von 1,7% bis 2,3% aus, so dass sich für die allermeisten Menschen der Vermeidungsaufwand und die Vermeidungsrisiken nicht lohnen werden.

Es gibt an diesem Konzept sicherlich noch die eine oder andere Feinheit zu feilen, aber ich denke dass die Denkweise deutlich wird und die Umsetzbarkeit dieses Konzepts nicht in Frage steht. Daher denke ich, dass wir von aus weniger über das “WIE” einer möglichen Einführung der Vermögenssteuer diskutieren brauchen und mehr über das “WARUM” reden können.

Darauf freue ich mich.

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