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Wirecard: EY sollte in Haftung genommen werden – ein Fazit

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Wer bis zuletzt in Wirecard investiert war, der musste nun viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Ist dieser gerechtfertigt? Ich denke nicht.

Was war passiert?

Wirecard hat offenbar über Jahre hinweg falsche Bilanzen vorgelegt, mit Scheingewinnen, Scheinwachstum, Scheinkonten. Und keiner hat es gemerkt. Über die Zeit wurde so aus einer Ruine des Neuen Marktes ein schillernder DAX-Konzern, der zusammenfiel wie ein Soufflé, als jemand in den Ofen schaute.

Was mit dem DAX-Konzern starb, waren die Hoffnungen vieler Kleinanleger, die ihre Altersvorsorge auf einem Zukunftsunternehmen aus Deutschland aufsetzen wollten.

War das abzusehen?

Die Frage nach der Erwartbarkeit dieser Ereignisse ist immer auch eine Frage nach Schuld und Verantwortung. Nun bin ich jeder Richter noch Anwalt und kann hier nur eine juristische Laienmeinung zum Besen geben, aber diese ist dafür umso bestimmter: NEIN! Den Kleinanleger trifft in der Wirecard-Affäre keine Schuld.

Natürlich hatte es seit Jahren kritische Presseberichte gegeben, aber mal ehrlich: In der Zeitung wird ständig irgendetwas vermutet, was sich dann als Ente herausstellt. Über ide letzten Jahre hat die Journalie regelmäßig mit tendenziösen Berichten und fehlerhaften Recherchen ihre eigene Glaubwürdigkeit ruiniert.

Gerade im Fall Wirecard hatte es über Jahre Anschuldigungen über Anschuldigungen gegeben, die sich nicht bewahrheiteten – zumindest vorerst.

Wer ist dann schuld?

Tatsächlich liegt im letzten Satz des Pudels Kern: Denn es zeigt sich nun, dass es ganz offensichtlich doch eine Vielzahl von Unstimmigkeiten schon in der Vergangenheit gegeben hat. Aber wieso blieben diese dann unentdeckt?

Und diesen Stein der Schande muss sich EY (vormals Ernst & Young) umhängen und durchs Dorf tragen. Denn wie kann es sein, dass eine der renommiertesten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt ein Konto verifiziert, das es gar nicht gibt? Noch dazu nicht irgendein Konto – nein! Ein Konto, auf dem ein Viertel der gesamten Bilanzsumme – in cash! – geparkt liegt, das quasi den gesamten Cashbestand der Wirecard AG und auch gut 80% des Eigenkapitals der Gesellschaft darstellt.

Die Bank deren Konto hiergefälscht wurde, war auch nicht irgendeine Bank, sondern eine hochsolvente und renommierte Bank im Investment Grade Bereich. Es ist also davon auszugehen, dass Wirecard nicht der einzige Prüfling von EY (Ernst & Young) war, der dort ein Konto hatte. Die Zeichnungsberechtigten für Kontenbestätigungen müssen dem WP also bekannt gewesen sein.

Gerichte müssen EY in die Verantwortung nehmen

Aus gutem Grund hat der Gesetzgeber vergeschrieben, dass Aktiengesellschaften ihre Geschäftsabschlüsse von unabhängigen Buchprüfern testieren lassen müssen. Man stelle sich vor, jeder Aktionär müsste eigenständig die Banken abtelefonieren, um sich die Kontostände seiner Investments bestätigen zu lassen. Dies ist weder für die Aktionäre noch für die Banken leistbar. Daher ist Rolle des Buchprüfers eine essentielle im Kapitalmarkt, auf deren Integrität sich der Kapitalanleger – ob klein oder groß – verlassen können muss.

EY hat hier alle Stakeholder an dem Unternehmen – Angestellte, Anteilseigner, Kreditgeber, Kunden, Dienstleister – im Stich gelassen. Hier wurden Milliardensummen fehlinvestiert, weil die Buchprüfer ihren Job nicht gemacht haben. Für diese Schäden sollten sie gerade stehen.

Für den Finanzplatz Deutschland ist es wichtig, dass sich Kleinanleger auf die Bilanzen verlassen können. Diese Veröffentlichungen stellen die wesentlicheste Investitionsinformation dar. Sollten hier durch falsche Zahlen Schäden entstehen, so müssen die Verantwortlichen dafür haften und die Opfer entschädigen. Ansonsten gibt es für Kleinanleger keine Möglichkeit einer neutralen Prüfung der Geschäftszahlen und jedes Investment wird zum Glücksspiel.

Und wie jetzt weiter?

Ich glaube weiterhin an die Aktie als Anlagemittel des Augenblicks – auch wenn man vielleicht von Firmen Abstand nehmen sollte, die von EY geprüft werden.

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